Legasthenie-Beratung für Schüler und Erwachsene

Legastheniker sind meistens lebhafte, intelligente Bilder- und Schnelldenker, erfassen sofort das Wesentliche ohne sich lange mit Details aufzuhalten. Aber Lesen und Schreiben geht ins Detail. Ein einziger Buchstabe kann den ganzen Satz verändern!
Das gibt Verwirrung.
Es häufen sich Fehler und daraus kommen schlechte Noten und Zweifel an sich selbst. Oft haben Legastheniker Konzentrations-Schwierigkeiten. Eben weil ihre Bilder im Kopf weiter stürmen, von einem Thema zum andern. Wenn sie ein Wort zu schreiben beginnen, sind sie in Gedanken bereits beim nächsten. Das schafft Verwirrung.

Diese Beratung hilft, den Bilderfluss zu stoppen und beim Lesen und Schreiben, aber auch beim Rechnen voll bei der Sache zu sein. Man nennt das üblicherweise "Konzentration". Aber Konzentration hat auch irgendwie etwas mit Verkrampfung zu tun. Nennen wir es lieber "Sich einstellen auf die Arbeit". Mit dazu gehört aber auch das Steuern der eigenen Energie. Wer zuviel Energie einsetzt in eine Aufgabe, der haut leicht daneben und merkt es nicht einmal. Wer zuwenig einsetzt, der kommt nicht vom Fleck, lässt sich von jeder Kleinigkeit ablenken und wird dabei todmüde. Manche beginnen zu zappeln und auf ihrem Stuhl herumzurutschen, andere beginnen zu gähnen und sich todmüde zu fühlen, weil sie mit ihrer Energie nicht klarkommen.

Sich zentrieren - anstatt konzentrieren - und Energie-Arbeit zu erlernen und zu üben ist einer der Grundpfeiler. Schon allein dadurch wird die Arbeitstechnik verbessert und das Selbstwertgefühl gesteigert, was eines der grössten Anliegen dieser Beratung ist.

Der zweite Pfeiler besteht im Festigen des Fundamentes. Bezogen auf Lesen und Schreiben heisst das ganz einfach: Alphabet, Satzzeichen, Lese- und Schreibtechnik. Beim Rechnen ist es das Zählen, das Ordnen und das Verstehen der Mathematischen Begriffe. Auch hier entsteht auf einmal Klarheit. Man lernt Wörterbücher zu benutzen, sich Wortbilder einprägen, Zusammenhänge im Rechnen werden sichtbar.
Die Selbstsicherheit wächst.

Die dritte Säule schliesslich ist das Umgehen mit Wörtern, die nicht klar verstanden werden. Man lernt diese Symbole kennen und verstehen.
Es sind meistens die kleinen Wörter, die von allein kein Bild ergeben. Diese kleinen Wörtchen sind es, die den Legastheniker verwirren, weil sie ihm kein Bild liefern. Was soll er sich unter einem Wort wie "des" vorstellen?
Seine reichlich vorhandene Phantasie beginnt zu rotieren, er liest es falsch und auf einmal hat der Satz erst recht keinen Sinn mehr. Die Verwirrung ist perfekt.
Dasselbe gilt für die Grammatik und ebenso für Zahlen und mathematische Begriffe. In der Beratung erhält der Legastheniker das Werkzeug dazu, diese Probleme zu erkennen und mit wachsender Fähigkeit erwacht auch die Freude und Motivation, sie zu bewältigen.



Siehe auch: Texte: "Lerntechnik" S.5-7 oder "Aktuelles:"Muttersprache, Schule und Elternhaus"

Weiterführende Legasthenie-Therapie:

Die meisten Legastheniker haben nachher noch eine gewisse Begleitung nötig, vor allem jene, die nicht reine Bilderdenker sind, sondern mehr mit dem Körper die Dinge erfassen und alles, auch ihre Gefühle, in Bewegung umsetzen.

Die guten Sportler, Turner, Velo- und Skifahrer sind stark im Rechnen, andere haben aber auch in Mathematik Mühe. Viele unter ihnen sind hyperaktive "Zappelphilippe", weil ihnen alles zu langsam geht.
Andere sind hingegen eher schwerfällig und hypo-aktiv, bewegen sich kaum und sitzen am liebsten vor dem Fernseher. Für sie ist es oft nicht mit 30 Stunden getan. Sie brauchen nebst der Technik des eigenen Bildermachens auch ganz viel Bewegung (siehe Kinesiologie) und nach der Therapie noch eine Zeit lang die Begleitung einer Legasthenie-Therapeutin, welche die oben erwähnte Knet-Methode und die Kinesiologie gleichermassen kennt.

Es ist also eine Weiterführung der begonnenen Arbeit, die in vielen Fällen nötig sein wird, am Anfang noch etwas häufiger, vielleicht auch zeitweise in Form einer Aufgabenhilfe, später jedoch nur noch im "Notfall".
Diese gelegentliche Begleitung kann mit längeren Unterbrüchen ein ganzes Jahr dauern, sollte aber nicht mehr wie früher, Jahre in Anspruch nehmen.

Siehe auch: Kinesiologie S. 38